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Die Mühle Kammertöns

Teilansicht der Mahlmühle Kammertöns

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 47)

Die Mühle Kammertöns, eine Boke-, Graupen- und Mahlmühle, entstand vermutlich nach dem 30jähr. Krieg, darauf deuten die beachtlichen Viehbestände ab 1677 hin, die Mühlenpacht betrug 5 Thaler im Jahr.
Nach alten Aktenunterlagen aus dem Jahre 1764 steht fest, dass es in der Nähe der Hofgebäude der Kolonen Öster- und Wester-Ebbinghaus (Mutter des Meier Österebbinghaus war die alte Witwe Kammertöns [s. Schlelein, Maria, Meineidige Gesellen, S. 24]) im ehemaligen Sende eine Ölmühle am Landerbach gegeben hat.
Im zweiten Absatz des Ebbinghauser Erbkaufprotokolls Cancellario de 16ten Junius 1764 heißt es wörtlich:
"Da man die auf den Hofe dermahlen zwarn anoch vorhandenen und sonsten schier distinierte Oelmühle am selbigen Hof nicht weiter dienlich zu sein befunden, daß solche von Ihro Herrschafts wegen weggenommen und den neuen Colonus in künftigen Zeiten neue zu erbauen gänzlich untersagt sein soll, gleich wohlen aber soll denen neuen Colonus unbenommen seyn an selbigen Ort wo dermahlen die Mühle steht das Stau im Stande zu erhalten, mithin seine Fischteiche und Wiesen daraus nach gebrauch zu bestauen."
Nach diesem Dokument war es also dem Ebbinghaus verboten, die Ölmühle weiterzuführen und zu gebrauchen. Das an der Ölmühle liegende Stau sollte aber erhalten bleiben, um damit den Fischteich stauen und die Wiesen flößen zu können. Die Ölmühle könnte westlich des Hofes Wester-Ebbinghaus gestanden haben. Öster- und Wester-Ebbinghaus bekamen das Recht, das ganze Jahr hindurch jede Woche an zwei Tagen, Samstag und Sonntag, zu stauen.
Im Jahre 1802 gab es einen Streit zwischen den Kolonen Öster- und Wester-Ebbinghaus und Steffen Fauseweh.
Öster- und Wester-Ebbinghaus bezichtigten den Kolonen Steffen Fauseweh, daß dieser das Wasser aus dem sogenannten Kammerbach (Landerbach) zur Wasserbewässerung zu ihrem Schaden entnommen habe. Sie hätten somit kein Wasser für ihre Fischteiche sowie zur Wiesenbewässerung zur Verfügung gehabt. Das Stauen des Wassers im Kammerbach sei ihnen damals 1764 in den Kaufbedingungen der Kolonate zugesagt worden.
Nach Inaugenscheinnahme der Lokalitäten durch die Kontrahenten und des Gerichts kam es am 1.10.1802 zu einer gütlichen Einigung, in der Steffen Fauseweh das Recht zuerkannt wurde, an bestimmten Tagen des Jahres das Wasser des Kammerbachs (Landerbach) aufzustauen und für seine Zwecke zu nutzen.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 46 ff)



Gräflich Rietbergische Mühlen um 1805

Kartenausschnitt von Nordwestdeutschland 1 : 86400 von Lecoq (Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 226 f)

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach

Mühle Kammertöns, 19. Jh., (Ph.v.B., 09.06.10)

In einem Erinnerungsinterview erzählte Heinrich Kammertöns, er habe die Mühle wegen Einsturzgefahr in den 80er Jahren abbauen lassen.





Hofgebäude und Mahlmühle Kammertöns, 1980er

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 46)

Einem Schreiben aus dem Jahre 1810 ist zu entnehmen, dass die Mühlenanlage des Kammertöns seit langen Jahren bestehe und einen Boke- und Graupengang habe, welche durch ein oberschlächtiges Wasserrad angetrieben würden.

1828 beschwert sich Kammertöns beim Kantonsbeamten Klee, weil der Krieftewirtsbach (Landerbach) durch den "Fischeteicher" Berenspöhler aufgestaut worden sei, obwohl dieser keine Oberlandespolizeiliche Konzession zum Aufstau des Baches habe. Er könne dieses nicht dulden. Seine Mühle sei in Ordnung. Da er die gesetzliche Gewerbesteuer zahle, müsse auch das Wasser ungehindert zu seiner Mühle fließen können. Der Berenspöhler müsse über sein unordnungsmäßiges Stauen zur Verantwortung gezogen werden. Da Berenspöhler einen Anteil aus dem Landerteiche in Erbpacht habe, poche dieser auf die Staugerechtigkeit. Folgende Gründe sprächen aber dagegen. Der Bach, woraus der ehemalige Landerteich sein Wasser erhalten habe, sei der Menkebach gewesen und nicht der Krieftewirtsbach. Weil sich die Besitzer des Landerteiches den Bach nehmen ließen, sei ihr Staurecht aufgerieben.
Auf Geheiß der fürstlichen Regierung zu Rietberg sei der Krieftewirtsbach im Jahre 1806 auf Kosten des Kammertöns zu einem ordnungsgemäßen Bach ausgebaut worden. Da die Besitzer des Landerteiches zu den Unkosten nichts beigetragen hätten, könne diesen auch kein Recht zum Stauen des Wassers zugestanden werden. Sollte aber dem Berenspöhler die Staugerechtigkeit zugestanden werden, müsse er, Kammertöns, wissen, zu welcher Zeit Berenspöhler berechtigt sei, das Wasser zu stauen.
Nachdem eine Regelung gefunden wurde, nahm der Streit alsbald ein Ende.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 46)


Verlauf des Krams, Krieftewirts sowie des Landerbaches von den lippischen Quellen bis zum Holter Forst zur Mühle Kammertöns

Beschriftung der Handzeichnung (1838) von oben:

Lippische Quellen,
Kramsteich,
Mühlenteich
Hof Welschmeier,
Bleiche Welschmeier,
Welschmeiers große Wiese,
rechts daneben Welschmeiers Westernfeld,
darunter der Hof Eikenbusch,
Der Krieftewirtsbach heißt nach Durchfluss der Chaussee nach Örlinghausen Landerbach.
Der Landerbach fließt durch den Holter Forst Richtung Mahlmühle Kammertöns.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 42)


Kammermühle

Photo vom Bild (09.06.10)

Der Kolon Franz Kammertöns zu Sende stellte im Mai 1846 einen Antrag, in seiner am Landerbach gelegenen, mit einem oberschlächtigen Wasserrad betriebenen Graupen- und Bokemühle eine Veränderung vorzunehmen. Statt des Bokeganges sollte ein Mahlgang eingebaut werden. Den Graupengang wollte man erhalten. Die Stauhöhe und das Flutwerk verblieben im alten Stande. Da seitens der Behörden und Anlieger kein Widerspruch gegen den Einbau des Mahlgangs erfolgte, wurde dem Kolon Kammertöns am 23. März 1847 die Konzession erteilt. Sie lautete:
"Dem Müller Kammertöns zu Sende wird hierdurch die nachgesuchte Landespolizeiliche Erlaubniß ertheilt, in seiner am Landerbache belegenen Mühle genau nach dem eingereichten Situations-Plan und den Beschreibungen vom 28. Aug. und 30. Dezb. - die sämtlich behufs Controle in der Amts-Registratur niederzulegen sind und unter den ausdrücklichen bedingungen daß:
a., der Mühlenteich stromaufwärts nicht erweitert werde und b., der Unternehmer sich nach Erfordern die Setzung eines Merkpfahls auf seine Kosten gefallen lasse.
b., außer den darin schon vorhandenen Graupen und Bocke-Gängen noch einen Mehl-Mahl-Gang, als Wechselwerk, und ohne an den Stauwerken und dem Wasserrade etwas zu verändern, anzulegen und unter genauer Beachtung der einschlagenden Verordnungen und Bestimmungen, nahmentlich nach den Gewerbesteuer-Gesetzes in betrieb zu setzen.
Minden, den 27. März 1847"

Einer Liste aus dem Jahre 1900, in der es um Arbeitszeiten in den Getreidemühlen geht, ist zu entnehmen, daß die Mühle Kammertöns in Sende einen Arbeiter über 16 Jahre beschäftigt. Die Mühle mit zwei Mahlgängen sei wegen Wassermangels nur wenig in Betrieb.
1910 war die Mühle von Franz Kammertöns an Johann Hagemann verpachtet. Dieser führte die Mühle als Hauptbetrieb.
Ab welchem Jahr in der Mühle Kammertöns Lichtstrom für den Eigenbedarf erzeugt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Fest steht aber, dass bis zum Jahre 1959 Strom erzeugt wurde.

Der Mühlenteich sowie einige Mahlsteine sind noch heute vorhanden.

Standort der Mühle war der heutige Hof Heinrich Kammertöns, Kamermühle 103 in Verl (Sende).

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 48)


Die Bokemühle


Im 17. sowie im 18. Jahrhundert, aber besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nahm der Anbau von Flachs und Hanf in der Senne ständig zu. Deshalb war es nur natürlich, dass sich die Anzahl der Bokemühlen im Laufe der Jahre ständig erhöhte.
In der Bokemühle wurden Hanf und Flachs nach Vorbehandlung mittels Stampfen, die von Hebedaunen an der Wasserradwelle gehoben und fallengelassen wurden, gebrochen und weichgeklopft. 1819 gab es im Landkreis Wiedenbrück zehn Bokemühlen.
Da die Handgarnspinnerei ein immer bedeutenderer Erwerbszweig der Bevölkerung in der Senne wurde, nahm der Anbau von Flachs weiter zu. Die Anzahl der Bokemühlen erhöhte sich bis 1843 auf 22.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Herstellung von Maschinengarnen so bedeutend zu, dass die Handgarnspinnerei, die der Haupterwerbszweig des Landkreises Wiedenbrück, besonders der ehemaligen Grafschaft Rietberg, war, völlig zusammenbrach und die Menschen, die bisher von diesem Erwerbszweig gelebt hatten, in tiefes Elend stürzte.
Die Bokemühlen, die in der hohen Anzahl nun nicht mehr gebraucht wurden, waren jetzt dem Verfall preisgegeben, es sei denn, man funktionierte sie in Mahlmühlen um.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 25)


Die Graupenmühle


Die Herstellung von Graupen oder Gräupchen geschah in damaliger Zeit auf einem eigens dafür eingerichteten Graupengang oder in einer extra dafür gebauten Graupenmühle.
Die zur Herstellung von Graupen notwendigen Gersten- oder Weizenkörner wurden im Graupengang von den Hülsen befreit und gleichzeitig mehr oder weniger abgerundet. Danach wurden die Graupen gesiebt und nach Stärke sortiert. Kurz gesagt, Graupen sind enthülste Getreidekörner.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 25)


Das oberschlächtige Wasserrad


Zeichnung März 1875, Ch. Brinkord

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 28)

Waren die Gegebenheiten günstig, konnte in der Senne das oberschlächtige Wasserrad angewandt werden. Damit dieser Typ von Wasserrädern laufen konnte, war es oft nötig, das Gefälle künstlich zu vertiefen.
Das oberschlächtige Wasserrad benötigt eine "Fallhöhe" von ca. 3 bis 10 Metern. War die Betriebswassermenge gering, mußte das Wasserrad dementsprechend im Durchmesser größer gebaut werden.
Beim oberschlächtigen Wasserrad wirkt die Wasserkraft ebenso wie beim mittelschlächtigen Wasserrad durch Stoß und Gewicht. Es ist aber dem unterschlächtigen sowie dem mittelschlächtigen im Wirkungsgrad weit überlegen.

(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 28)




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