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Der Hof Kammertöns


Nach den großen Einbußen, die die Bevölkerung im Spätmittelalter durch die Pestepidemien hinnehmen mußte, begann die Einwohnerzahl im 15. und 16. Jahrhundert langsam wieder zu wachsen. So entstanden neben den Althöfen (Vollmeier) und den Teilungshöfen (Halbmeier) neue landwirtschaftliche Betriebe. Sie wurden nach dem Rietberger Landrecht [142 KB] als Zweitäger oder Eintäger bezeichnet. Diese kleineren Colonate entstanden als Absplisse von den Althöfen oder als gezielte Neuansiedlungen am Rande der gemeinen Mark, der Allmende.

Da der "Zweitägerhof Kammertöns" aus dem Halbmeierhof "Camer Tönnies", der zu den Altstätten von Sende gehörte, hervorgegangen ist, kann man die Gründung des Hofes im 15. Jahrhundert vermuten.
(Potthoff, G., Aus der Geschichte der Wassermühlen ..., S. 46)

Kammerhof, Anfang 20. Jahrh., Photo vom Photo

Inschriften am Altwohnhaus bis auf die Jahreszahl 1760 unleserlich.



Aus der ältesten noch vorhandenen Heberolle der Grafschaft Rietberg, der
"Pacht Geldtz Ordnung unnd Inname anno nostre 1554"
erfahren wir die Anzahl der Hofstellen zu Beginn des
16. Jahrhunderts:


Bauerschaft Vollmeier Halbmeier Zweitäger Eintäger
Liemke 7 2 7 -
Sende 3 17 12 3
Bornholte 5 19 26 15
Wehe 4 13 27 10
Verl 8 12 11 1

(St. Anna in Verl, 1792 - 1992, S. 6)



Hofbericht Kammertöns:


Jahr Grund Gegenstand
1554 Pachtgeldordnung der Send Buer Camer Johan 1/2 Daler
1555 Pachtgeldordnung der Send Buer 1/2 Daler
1569 Meibedde Kamer Johan 1/2 Thaler
1569 Register der Herbstbede Kamer Johan 1/2 Thaler
1572 Dienstgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1572 Verdedingsgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1572 Meibede Kamer Johan 1/2 Thaler
1573 Dienstgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1575 Schatzregister Kamer Johan 3 Thaler 1 Ordt (3 1/4 Thaler)
1576 Dienstgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1577 Schatzregister Kammer Johan 2 Thaler (bezahlt 1 Thaler)
1578 Herbpfechte Kamer Johan 1/2 Thaler
1579 Schatzregister Kammer Johan 1 Thaler
1580 Dienstgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1583 Dienstgeld Kamer Johan 1/2 Thaler
1688 Viehschatz Cammer Thonies hat 2 Pferde, 2 Stoppen, 6 Kühe, 4 Rinder, 5 Schweine; neu: Schaf = 0 Mg.; er zahlt dafür zusammen 195 Mariengroschen bzw. 5 Thaler 15 Mariengroschen
1689 Viehschatz Cammer Tönnies hat 3 Pferde, 1 Stoppen, 6 Kühe, 3 Rinder, 5 Schweine; er zahlt dafür zusammen 177 Mariengroschen bzw. 4 Thaler 33 Mariengroschen
1690 Viehschatz Camer Tönies hat 2 Pferde, 1 Stoppen, 6 Kühe, 3 Rinder, 5 Schweine; er zahlt dafür zusammen 177 Mariengroschen bzw. 4 Thaler 33 Mariengroschen
1691 Viehschatz Camer Tönies hat den gleichen Viehbestand wie im Vorjahre; er zahlt dafür zusammen wieder 4 Thaler 33 Mariengroschen
1692 Viehschatz Cammer Tönies hat 2 Pferde, 6 Kühe, 3 Rinder. 1 Schwein; er zahlt dafür zusammen 151 1/2 Mariengroschen bzw. 4 Thaler 7 1/2 Mariengroschen
1693 Viehschatz Cammer Tönies hat 2 Pferde, 1 Stoppen, 6 Kühe, 4 Rinder, 4 Schweine; er zahlt dafür 178 1/2 Mariengroschen bzw. 4 Thaler 34 1/2 Mariengroschen
1693 Kopfschatz Zweitäger Cammer Tonnies zahlt für 1 Mann 90 Mariengroschen, 1 Frau 45 Mariengroschen, 1 Knecht 24 Mariengroschen, 1/2 Knecht 12 Mariengroschen, 1 Magd 12 Mariengroschen, zusammen also 183 Mariengrosche bzw. 5 Thaler 3 Mariengroschen
1694 Viehschatz Cammer Tonnies hat 2 Pferde, 1 Stoppen, 6 Kühe, 6 Rinder, 6 Schweine; er zahlt dafür zusammen 193 1/2 Mariengroschen bzw. 5 Thaler 13 1/2 Mariengroschen oder 5 Thaler 1 1/2 Ortthaler
1695 Viehschatz Cammertonies hat 2 Pferde, 2 Stoppen, 7 Kühe, 6 Rinder, 5 Schweine; er zahlt dafür zusammen 217 1/2 Mariengroschen bzw. 6 Thaler 1 1/2 Mariengroschen
1696 Viehschatz Cammer Thonies hat 2 Pferde, 1 Stoppen, 7 Kühe, 6 Rinder, 5 Schweine; er zahlt dafür 204 Mariengroschen bzw. 5 Thaler 24 Mariengroschen
1699 Viehschatz Cammer Tönnies hat 3 Pferde, 1 Stoppen. 7 Kühe, 5 Rinder, 5 Schweine; er zahlt dafür zusammen 224 1/2 Mariengroschen bzw. 6 Thaler 8 1/2 Mariengroschen
1702 - 1711/12   Sammelurkunde über 10 (11) Jahre mit allen Einzelbeurkunden: Cammer Tonnis zahlt in jedem dieser Jahre 1 Thaler Maipacht, 1/2 Thaler Herbstpacht, 1/2 Thaler Altdienstgeld, 1/2 Thaler Fischteichgeld und ab 1706 bis 1711 8 Groschen Zuschlagsgeld; die mit je 2 Thaler angesetzten Oster- und Michaelidienstgelder wurden nicht gezahlt sondern vermutlich abgeleistet; im Jahre 1708 zahlte das Colonat 2 Thaler Schatzgeld (=49 Beurkundungen)
1704 Viehschatz Cammertönies hat 3 Pferde, 1 Stoppen, 8 Kühe, 6 Rinder, 8 Schweine; er zahlt dafür zusammen 253 1/2 Mariengroschen bzw. 7 Thaler 1 1/2 Mariengroschen
1706 Kopfschatz Für Zweitäger Cammertönnies fehlen die Eintragungen in der Abgabeliste (der Name ist da!)
1709 Kopfschatz Zweytäger Cammer Tonnies zahlt für sich 2 1/2 Thaler, 1 Knecht 24 Mariengroschen, 1 Magd 12 Mariengroschen 1/2 Magd 6 Mariengroschen
1728 Viehschatz Zweitäger Cammer Tonnies hat 2 Pferde, 2 Stoppen, 7 Kühe, 8 Rinder, 6 Schweine; er zahlt dafür zusammen 229 1/2 Mariengroschen bzw. 6 Thaler 13 1/2 Mariengroschen oder 6 Thaler 1 1/2 Ortthaler
1739 1/2 Kopfschatz Zweytäger Cammer Tönies; er st gestrichen mit dem Vermerk: "ist Jager zur Holte"; 1 Frau 22 1/2 Mariengroschen 1 Sohn 9 Mariengroschen, 1 Knecht 12 Mariengroschen, 2 Mägde 12 Mariengroschen, 1 leibzüchterin 7 Mariengroschen; zusammen also 62 1/2 Mariengroschen bzw. 1 Thaler 26 1/2 Mariengroschen
1746 Geschenkeinziehung für den Landesherrn Graf Wenzel Anton Kaunitz-Rietberg bei einem Besuche seiner Grafschaft (Grundsteinlegung Kaunitzer Kirche): Zweytäger Cammer Tonnies 1 1/2 Thaler (Wenzel Anton wurde 1763 Fürst und war der Kanzler Maria Theresias)
1750 Voll-und Beyschatz Zweitäger Cammer Tönnies zahlt 2 Thaler Schatzgeld und 1 Thaler Beischatz
1755 Kopfschatz (1/2) Cammertönis zahlt für 1 Frau 22 1/2 Mariengroschen, 1 Sohn 9 Mariengroschen, 1 Tochter 4 1/2 Mariengroschen, 1 Knecht 12 Mariengroschen; zusammen also 48 Mariengroschen bzw. 1 Thaler 12 Mariengroschen
1772 Kirchplatz in St. Anna, Verl Cammertöns in Bank 29 neben den Halbmeiern Verlsteffen und Siggemann
1800 Schatzregister u. Mühlenpacht 20 Thaler 9 Mariengroschen 5 Pfennig und 5 Thaler Mühlenpacht



  • Grundherrliche Abhängigkeit: Eigenbehörige der Grafen von Rietberg
  • Dienste für das Obereigentum: als Zweytäger 16 Handdienste im Jahr
  • Areal des Colonats: 200 Morgen (Ruthen abgerundet)
  • Abgaben an das Obereigentum der Fürsten von Kaunitz-Rietberg (Ende 18. Jahrh.): 19 Thaler 20 Gute Groschen 6 Pfennig Pacht- und Schreibgeld in Cono. Münze, 5 Thaler Pacht für die Graupenmühle, 1 Huhn, 1 Pfund Pfeffer und 1 Pfund Ingber (verm. Gewürzpflanzen)
  • Kirchenabgaben an die Pfarrei Verl: 2 Hühner für den Pfarrer, 2 Gute Groschen 8 Pfennig (= 4 Mariengroschen) und 1 Klanken Hanf für den Küster
  • Erbverpachtungen: keine
  • Hofbesitzfolge: (im 19. Jahrhundert nach dem Grundbuche): 7. Okt 1789 übernahmen Theodor Kammertöns mit Ehefrau Anna Maria geb. Müller, 23. Febr. 1826 Anna Maria geb. Müller Wittib Kammertöns nach dem Tode ihres Mannes; 29. Dez. 1842 übernahmen Franz Kammertöns und Maria geb. Hanshermliemke, 24. Dez. 1877 übernahm der Joseph Kammertoens (verm. Anerbe)



(Gürtler, Rudolf, Hofbericht Kammertöns, 1980)

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Das Rietberger Landrecht von 1697



Zum besseren Verständnis der Besonderheiten der Eintragungen empfiehlt sich die Lektüre


Das Rietbergische Landrecht von 1697 [142 KB] .



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